Wer Conni schreibt und maltFür die Zeitschrift Familie&Co hat Liane Schneider Fragen beantwortet: Warum heißt Conni Conni? Was passiert in den nächsten Conni-Abenteuern? Und warum ist Conni wie eine echte Freundin?
Vor 20 Jahren hat Liane Schneider sie erfunden – heute ist Conni eine der bekanntesten Kinderbuchheldinnen. Die Autorin über die beliebte Figur, die den Namen ihrer Tochter trägt.
Familie&Co: Was hat Sie vor 20 Jahren bewogen, ein Manuskript für ein Kinderbuch bei einem Verlag einzureichen?
Liane Schneider: Ich habe schon immer gerne geschrieben. Schon als Kind habe ich kleine Heftchen mit Geschichten und Bildern für meinen Vater gemacht. Und als
meine Tochter in den Kindergarten kam, hatte ich vormittags ab und zu Zeit, und da habe ich angefangen, Erlebnisse mit ihr aufzuschreiben. Zuerst die aus dem Kindergarten. Ich habe auch Bilder dazu gemalt und beides an den ersten Verlag geschickt, der mir eingefallen ist. Und der Carlsen-Verlag hat dann einen Monat später geantwortet. Sie wollten die Geschichten haben, die Bilder aber nicht. Es waren auch Aquarelle, die sich nicht so einfach drucken ließen und für ein Bilderbuch nicht geeignet waren. Für die Zeichnungen in den Conny-Büchern konnte damals Eva Wenzel-Bürger als Illustratorin gewonnen werden.
Ihre Tochter Cornelia war das reale Vorbild für Ihre Geschichten. Sie ist ja jetzt erwachsen. Woher holen Sie nun Ihre Anregungen?
Als Conni klein war, habe ich zwar ihre Erlebnisse genommen, da kamen aber schon immer Geschichten von Freunden hinzu. Auch Sachen, die ich in der Schule gehört
habe, Dinge, die andere Kinder erlebt haben. Und ich bin auch rausgegangen und habe mit Fachleuten zu bestimmten Themen gesprochen – zum Beispiel zum Thema Brille oder Zoo. So arbeite ich immer noch.
Wie lange dauert es, bis eine Idee in ein Buch umgesetzt wird?
Das ist ganz unterschiedlich. Meine kürzeste Geschichte dauerte eine Woche, sonst ist es jedoch oft ein halbes Jahr, weil ich mich immer intensiv mit einem Thema beschäftige und immer alle Aspekte sammeln will, um die Geschichte dann wirklich dicht zu schreiben. Danach geht sie an den Verlag und an die Illustratorin. Text und Bilder werden dann noch mehrfach korrigiert, bis alles stimmt. Von der Idee bis zum Erscheinen des Buches vergehen meist zwei Jahre.
Trotz des riesigen Erfolgs von Conni sind Sie weiter als Lehrerin tätig. Haben Sie nie überlegt, sich auf Ihre Bücher zu konzentrieren?
Überlegt habe ich schon. Am Anfang konnte ich noch nicht von den Büchern leben. Das hat etliche Jahre gedauert. Jetzt könnte ich es, aber ich mag es auch, dass ich diesen direkten Kontakt zu Kindern und Jugendlichen habe, dass da auch noch ein reales Leben ist und ich nicht nur zu Hause sitze.
Conni ist ja eine Figur, die nicht mit spektakulären Abenteuern glänzt. Ihre Welt sind eher alltägliche Situationen. Liegt darin ihr Erfolgsgeheimnis?
Ja, ich denke, das ist es, was die Figur Conni ausmacht. Es sind keine Fantasiegeschichten, sondern Dinge, die Kinder wirklich erleben, in die sie sich reinversetzen und mit denen sie sich identifizieren können, Geschichten, die sie auch auf Sachen vorbereiten – Arztbesuch oder Schulbeginn zum Beispiel. Ich habe oft von Eltern gehört, dass sie die Geschichten mit ihren Kindern lesen, dann gehen sie hin, und es ist dort genau so, wie es bei Conni war. Oder sie gehen zum Zahnarzt, und die Kinder haben keine Angst, weil sie aus dem Buch schon alles kennen, was da passiert. Andererseits können Kinder, wenn sie zum Beispiel das Buch, in dem Conni in den Kindergarten kommt, vorgelesen bekommen, gut vergleichen, was bei ihnen anders und was bei ihnen genauso ist. Und Conni begleitet sie wirklich bei allen Sachen, die man als kleines Kind erlebt – sie ist einfach eine gute Freundin. Es gibt Kinder, die mir schreiben: „Ich möchte Conni kennenlernen.“ Sie stellen sich Conni als reale Person vor.
Conni lebt ja in einer sehr behüteten Welt. Ist das bewusst so gesetzt?
Ja, es entspricht meinen damaligen Lebensumständen. Und ich finde auch nichts Schlechtes daran, dass es ein behütetes Leben ist. Es ist doch schön, wenn ein Kind mit viel Liebe bei Mama und Papa aufwächst. Eigentlich ist es doch das, was wir uns für unsere Kinder wünschen. Ich werde das oft gefragt. Es wird immer ein bisschen negativ dargestellt; das sei konservativ. Aber ich denke, es gibt inzwischen schon sehr viele Kinderbücher mit Patchworkfamilien und Alleinerziehenden. Die Conni-Bücher sind da vielleicht nicht mal rückständig, sondern vielmehr eine Ausnahme. Ich meine, dieses Leben gibt es ja auch noch. Es leben immerhin nur ein Drittel Kinder in Scheidungsfamilien und zwei Drittel nicht.
Die Einstellungen und Werte der Eltern sind heute sicherlich andere als die der vorangegangenen Generation. Hatte das auch Einfluss auf die Conni-Geschichten?
Conni-Geschichten werden ab und zu überarbeitet. Zum Beispiel „Conni kommt in den Kindergarten“ ist überarbeitet und in den Bildern angepasst worden. Da näht dann Mama nicht mehr den Turnbeutel. Aber insgesamt ist es erstaunlich, wie aktuell das alles noch ist.
Auch die Medienwelt hat sich stark verändert. Ist es in Ihren Augen notwendig, Conni auch multimedial zu vermarkten, zum Beispiel als Film oder Computerspiel?
Es gibt Hörbücher und CDs. Das finde ich gut. Das können die Kinder abends hören, wenn die Eltern mal nicht die Zeit zum Vorlesen haben. Ein Computerspiel ist nicht geplant. Das würde auch nicht zu Conni passen, finde ich. Filme hingegen sind geplant.
Gibt es Geschichten, die Sie Conni gerne erleben lassen würden, aber sich noch nicht getraut haben, diese zu verwirklichen?
Ja, solche Ideen gibt es. Zum Beispiel, dass die Oma stirbt, habe ich schon mal als Thema angedacht. Es passt halt nicht so ganz in die heile, positive Welt der Conni. Aber vielleicht kommt es trotzdem irgendwann mal, weil Kinder ja auch solche Dinge erleben. Heute kann man darüber schon eher schreiben als noch vor ein paar Jahren.
Worum wird es in den nächsten Conni-Abenteuern gehen?
Sie heißen: „Conni geht verloren“, „Conni geht zum Friseur“ und „Conni ist krank“.
Quelle: Familie&Co, Ausgabe 2/10, Interviewausschnitt